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Schon zur Anfangszeit ist es schwer, nebenamtliche Lehrer zu finden. Das wusste auch die Gemeindebeamtenkammer und suchte 1922 bewusst nach bereits pensionierten Verwaltungsbeamten.
Unruhige Zeiten: Demonstration auf dem Münchener Karlsplatz im Januar 1919.

Gründung in schwierigen Zeiten (1920 bis 1930)

|   History

Frühjahr 1919: Deutschland hat den Krieg verloren, der Kaiser hat abgedankt. Doch der Übergang zur Demokratie muss erst noch gemeistert werden. Denn von allen Seiten gibt es Widersacher und auf den Straßen regiert die Gewalt.

In Bayern wird Kurt Eisner, erster Ministerpräsident des jungen Freistaats, ermordet. In den folgenden Wochen entsteht die Münchener Räterepublik und wird bald wieder blutig niedergeschlagen. Es herrscht Chaos – selbst in der sonst so geregelten bayerischen Verwaltung. Ein verzweifelter Kollege wendet sich an den Zentralverband der Gemeindebeamten Bayerns: „Täglich erfolgen neue Änderungen; die Umschreibung dieser Änderungen ist sehr oft in einer Form gegeben, dass es selbst dem Juristen (…) schwerfällt, auseinanderzuscheiden, welche Bestimmungen in Kraft und welche ausser Kraft sind.“

Es gilt also, auf diesem Gebiet die neue demokratische Ordnung zu etablieren – und die Gemeindebeamtenkammer reagiert. Sie richtet 1920 eine Ausbildungsabteilung für Verwaltungsbeamte ein. Die spätere BVS ist geboren; 1926 bekommt sie ihren heutigen Namen.

Die neue Abteilung macht sich sofort an die Arbeit und bietet im Wintersemester 1920 – noch ohne eigentliches Kursprogramm – Prüfungsvorbereitungsseminare an. In den nächsten Jahren gibt es die ersten Seminare für den mittleren Staats- und Gemeindeverwaltungsdienst, für Polizei und Sicherheitsbeamte und – auch diese gehören damals noch zur Beamtenschaft – für Sparkassenmitarbeiter. Auf dem Lehrplan stehen neben Fortbildungen zum Preußischen Staatsgesetzbuch auch „Übungen zur Schärfung des Sprachgefühls“.

Schon zur Anfangszeit nimmt die BVS aber auch eine ganz andere wesentliche Aufgabe wahr: Eine halbe Million kriegsversehrte Deutsche kehrt nach Ende des Krieges zurück – deren Reintegration ist eine enorme Aufgabe für Staat und Länder. Ab 1922 bietet die BVS daher spezielle Kurse für Kriegsversehrte an, die so wieder den Weg zurück in Gesellschaft und Arbeitswelt schaffen sollen.

Die „goldenen Zwanziger“ sind für die junge Weimarer Republik ein Drahtseilakt: Auf politische Machtkämpfe, Unruhen und Hyperinflation folgen Jahre der Erholung. Die noch junge BVS baut ihr Kursprogramm aus und wird zu einem festen Pfeiler der demokratischen Ausbildung im öffentlichen Dienst. Doch die Erfolge werden mit dem Börsencrash 1929 in New York bald auf eine harte Probe gestellt. Denn dieser führt zu einer Weltwirtschaftskrise, die in Deutschland eine Bankenkrise nach sich zieht. Arbeitslosigkeit, Armut und politischer Unmut sind die Folge. Erneut reagiert die BVS: Einheitliche Prüfungen für den Steuer- und „Gemeindeeinehmerdienst“ sowie für die Staats- und Kriminalpolizei sollen neue Standards in die angespannten Finanz- und Sicherheitsbehörden bringen. Doch die Weltwirtschaftskrise ist schließlich eine Krise zu viel für die krisengeplagte Weimarer Republik…

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