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„Das Studium von „Mein Kampf“ wird dringend empfohlen!“ – auch die Prüfungsfragen passen sich dem Nationalsozialismus an.

„Beamte, die nicht arischer Abstammung sind, sind in den Ruhestand zu versetzen“ (1930 bis 1940)

|   History

Am 30. Januar 1933 wird Adolf Hitler Reichskanzler. Die Nationalsozialisten nutzen das angespannte Klima der Weimarer Republik aus und versprechen den verunsicherten Bürgern Brot und Arbeit. Doch ihre Ziele erreichen sie durch Ausgrenzung, Entrechtung, Verfolgung und Vernichtung ganzer Bevölkerungsgruppen. Das öffentliche und private Leben wird gleichgeschaltet.

Auch die BVS spürt die Folgen. Mit dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, das nicht-linientreue Personen aus dem Staatsdienst entfernt, verliert die BVS einen Großteil ihrer nebenamtlichen Lehrkräfte und Schüler. Wer nicht arischen Blutes oder linientreu ist, hat keine Chance auf eine Beamtenlaufbahn mehr. Im BVS-Archiv finden sich ganze Listen von Lehrern, die aus dem Dienst entfernt wurden und nicht mehr als Lehrkraft zur Verfügung standen.

Beamte müssen Ihren Amtseid fortan auf Adolf Hitler leisten. So setzt sich die Schülerschaft der BVS bald nur noch aus NSDAP-Mitgliedern oder Angehörigen einer ihrer Organisationen zusammen. Die Trägerin der BVS, die Bayerische Gemeindebeamtenkammer, beschließt am 28. Juni 1933 ihre eigene Auflösung – kommunale Spitzenverbände werden zwangsweise zum Deutschen Gemeindetag vereinigt. Die BVS wird eine selbstständige Geschäftsabteilung des Deutschen Gemeindetages, jedoch mit verminderter Zuständigkeit. Nach nur einem Jahr ist die BVS gleichgeschaltet und in das neue, nationalsozialistische Verwaltungskonstrukt eingegliedert.

Inhalte und Sprache der Lehrbücher passen sich ebenfalls dem Nationalsozialismus an. Sie vermitteln den jungen Beamten die nationalsozialistische Weltanschauung. Stellvertretend hierfür steht die Präambel für die Einführung in die Staatskunde 1934:

„Ein Gewaltstreich, der systematisch durch eine staats- und volksfeindliche Mühl- und Zersetzungsarbeit vorbereitet war, hat 1918 den Staat Bismarck’scher Prägung beseitigt. Die Staatsrechtlehre erkannte den nun neu gebildeten Staat als rechtsbegründet an, da ein gelungener „Putsch“ Recht schaffe. Ein Rechtsbruch wurde legalisiert. Aber diesem Staate fehlten die Träger des Staatsgedankens; es waren nur Nutznießer eines Staatssystems vorhanden. Gegen diesen Staat, dessen Grundlagen dem deutschen Wesen artfremd waren, hat sich in zähem Kampf die NSDAP gebildet mit dem Ziel, wieder einen ihrer Weltanschauung entsprechenden Rechtsstaat zu schaffen und in ihm kompromisslos die alleinige Macht auszuüben.“

Für BVS-Leiter Rudolf Raja und sein Team zeichnet sich der kommende Krieg bereits ab. In einem geheimen Schreiben an die BVS vom 17. Januar 1939 mit dem unscheinbaren Betreff „Sicherung von Personal für den A-Fall“, weist der Deutsche Gemeindetag auf die Folgen für Ausbildung und Lehre im Falle einer Mobilmachung hin. Der Krieg ist zu diesem Zeitpunkt längst beschlossene Sache. Ab September 1939 wird er bittere Realität…

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