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Nur auf den ersten Blick eine normale Klasse der BVS – der Kriegsgefangenen und Spätheimkehrer-Lehrgang 1948.

„Dem Hause und seinen Bewohnern möge weiterhin der Krieg und seine Auswirkungen fern bleiben.“ (1940 bis 1950)

|   History

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs ändert sich der Alltag für die BVS: Bis auf BVS-Leiter Fraja und dessen Sekretärin werden alle hauptamtlichen Mitarbeiter entlassen und zum Militärdienst verpflichtet. Trotz des Personalmangels versucht die BVS, den Lehrbetrieb und die Ausbildung aufrechtzuhalten. Doch bald wird den Verantwortlichen klar, dass der Betrieb auch im Krieg aufrechterhalten werden muss. Schon im Januar 1941 gibt es Beurlaubungen für kommunale Beamtenanwärter vom Wehrdienst, um ihre Ausbildung beenden zu können. Das Reichsinnenministerium ordnet außerdem „Sonderlehrgänge für gemeindliche Dienstkräfte mit anschließenden Beamtenprüfungen“ an. In der Widersprüchlichkeit des Krieges greift die BVS zu ungewöhnlichen Maßnahmen: Über das Deutsche Rote Kreuz lässt die Schule Kriegsgefangenen in amerikanischer oder englischer Haft Lehrmaterial zukommen, sodass sie später ihre Beamtenlaufbahn fortsetzen können.

Am 16. Juli 1944 wird die Münchener Geschäftsstelle der BVS durch einen Bombentreffer zerstört, der Schulbetrieb wird in das Kloster Utting am Ammersee verlegt. Wie geräuschlos der Krieg auch noch im letzten Kriegsjahr an manchen Ortschaften vorbeigezogen ist, dokumentiert ein Gästebucheintrag aus Utting vom 22. März 1945. Amtmann Imgen notiert: „Dem Hause und seinen Bewohnern möge weiterhin der Krieg und seine Auswirkungen fern bleiben.“ Vier Wochen später besetzen die Amerikaner dann Utting.

Nach Kriegsende steht für BVS-Leiter Fraja viel Arbeit an. Er ist von der Bedeutung der Schule überzeugt und kämpft für ihren Fortbestand. Er findet schnell Verbündete: Zahlreiche Amtsträger und sogar Vertreter der amerikanischen Militärregierung unterstützen Fraja – der in einem Entnazifizierungsverfahren als Mitläufer eingestuft wird – bei seinem Vorhaben. Die Neugründung ist zwar höchst bürokratisch – Gesetz, Satzung, Konstituierung, Bekanntmachung und Eröffnung. Die Arbeit wird aber ganz pragmatisch fast sofort aufgenommen.

Wieder einmal setzt die BVS unmittelbar dort an, wo sie gebraucht wird. Ganze 1,5 Millionen Kriegsversehrte hoffen in Deutschland auf Wiedereingliederung in ihre Berufe. Wie schon während des Krieges bietet die BVS Versehrtenlehrgänge an. Teilnehmer sind, neben ehemaligen Soldaten, auch Zivilisten wie Erika Frenay: Kurz vor Kriegsende wird die Medizinstudentin bei einem Tieffliegerangriff schwer verwundet und verliert ihren rechten Arm. Ein Lehrgang bei der BVS ermöglicht ihr die Wiedereingliederung in einen neuen Beruf. 1953 – ganze acht Jahre nach Kriegsende – endet der bis heute letzte Versehrtenlehrgang für Spätheimkehrer. Die Teilnehmer sind für die Chance dankbar und notieren im Gästebuch: „Wir danken herzlich für die Unterstützung, die uns durch die Einrichtung dieses Lehrganges zuteil geworden ist. Nach den langen, toten Jahren der Gefangenschaft hatten wir dadurch die Möglichkeit, unsere Berufsausbildung endlich zu beenden.“

Die Hoffnung auf bessere Zeiten motiviert Lehrer und Schüler der BVS. Und bald geben Wirtschaftswunder und Gründung der BRD neue Impulse für die Wirtschaft. Es geht wieder aufwärts…

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