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Die neue Lebenswirklichkeit spiegelt sich vor allem in den Gästebüchern der Verwaltungsschule. Hier verewigen sich die Abschlussklassen auf humoristische Art und Weise.

Die BVS in Zeiten des Wirtschaftswunders (1950 bis 1960)

|   History

Die Wirtschaft brummt: Die junge Bundesrepublik erholt sich von den Schatten des Krieges. Es herrscht Vollbeschäftigung. Schon 1950 liegt das Realeinkommen einer Arbeiterfamilie über dem Vorkriegsniveau. Und auch gut ausgebildete Beamte werden in der jungen Bundesrepublik dringend benötigt: Die Teilnehmerzahlen bei der BVS steigen stetig an, Standorterweiterungen und Vergrößerungen gehören mit der hohen Nachfrage an Lehrgängen nun zum Alltag der Schule. Neue Lehrräume in Dießen am Ammersee werden angemietet, das Kursprogramm vergrößert, das stillgelegte Hotel Panorama in Holzhausen am Ammersee gemietet, später gekauft, und im Oktober die neue Geschäftsstelle am Karolinenplatz in München bezogen. So wächst nicht nur die BVS, sondern auch die Gesellschaft langsam wieder zusammen.

Ein Standort hat dabei eine spezielle Geschichte: 1954 erwirbt die BVS ein Gelände in Holzhausen, auf dem das Haus „Sieben Eichen“ entstehen soll. Doch das Gelände hat eine komplizierte Vorgeschichte. Die Gebäude um das spätere Haus Sieben Eichen gehören bis 1938 der jüdischen Kaufmannsfamilie Arnold aus Augsburg. Aufgrund der Repressalien gegen Juden muss die Familie das Grundstück weit unter Wert an einen Münchener Ingenieur zwangsverkaufen. Benno und Anna Arnold werden 1942 deportiert und im KZ Theresienstadt ermordet. Zwar wird das Gelände nach dem Krieg an ihre Erben zurückgegeben. Da diese mittlerweile in den USA leben, haben sie jedoch keine Verwendung mehr für das Gelände am Ammersee. So erwirbt 1954 die BVS das Grundstück baut ihr Bildungszentrum aus.

Bei der BVS selbst endet 1958 eine Ära. Rudolf Fraja gibt die Leitung nach 25 Jahren an Alfons Wenzel ab. Für seine Verdienste um die Verwaltungsschule erhält Fraja das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, später auch den Bayerischen Verdienstorden. „Vielen Kollegen hat er das Rüstzeug für ihr Berufsleben verschafft und besonders den Kriegsversehrten durch Umschulung neue Lebensfreude gegeben“, schreibt ein Kollege im Bayerischen Staatsanzeiger. Lob kommt für Fraja nicht nur von außen, auch die Lehrgangsteilnehmer sind dem Juristen dankbar: „So ging er allen voran, unseren geist zu erleuchten. Darum gilt unser besonderer Dank, Herrn Syndikus Fraja.“

Der neue BVS-Leiter Wenzel tritt sogleich in die Fußstapfen seines Vorgängers und zögert nicht lange, um die Schule an den Erfordernissen der Zeit auszurichten. Der Glaube an Demokratie und Frieden soll durch einen Besuch bei der NATO in Paris deutlich werden: „Ich erlaube mir, mit einer Frage an Sie [Oberstleutnant Berger] heranzutreten, die in einer Bitte mündet. […] ob dort ein Besuch von etwa 25 Dozenten der Bayer. Verwaltungsschule zu ermöglichen wäre.“ Die Anfrage wird gewährt und wenige Wochen später startet eine BVS-Reisegruppe in die französische Hauptstadt.

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