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Der Platz wird eng: Lernen im Jahr 1982 in Holzhausen. Das Bildungszentrum wird aber noch Mitte des Jahrzehnts umgebaut und die Zimmer vergrößert.

Vom „Schulleiter“ zum Herbergsvater“: Der Durchbruch der BVS-Bildungszentren in den 1980er Jahren

|   History

Heinrich Otto bezeichnet sich als „vom Herzen her“ waschechter Franke. Der ehemalige Leiter des Bildungszentrums Neustadt an der Aisch ist in Fürth aufgewachsen, geht dort zur Schule und beginnt seine berufliche Laufbahn nach dem Münchener Lehramtsstudium in Nürnberg. Danach ist er kurzzeitig in einem Internat in Stein an der Traun tätig, doch bald zieht es ihn zurück in die Heimat. Und dort findet er sich bald zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Denn die BVS verfolgt zu dieser Zeit konsequent ihren eingeschlagenen Weg zur dezentralen Abdeckung des gesamten Freistaats: Dazu werden bis 1984 in sämtlichen Regierungsbezirken Ortslehrgänge eingerichtet (heute: BVSregional). Von Würzburg bis Rosenheim ist die Schule in ganz Bayern präsent. Ankerpunkte in der Lehre sollen die Aus- und Fortbildungszentren werden. Neben Holzhausen entsteht 1984 in Neustadt an der Aisch das zweite Bildungszentrum.

Der Aufbau der Ortslehrgänge und vor allem der neuen Ausbildungsstätten verläuft dabei nach einem klaren Muster: Zunächst kümmert sich die BVS-Zentrale in München um eine neue Niederlassung. Dann werden gezielt Leute aus der Region gesucht, die „einfach gut mit Menschen und jungen Leuten umgehen können“, erinnert sich Heinrich Otto. Und genau diese Kombination entspricht perfekt dem Profil des jungen Mannes – er bewirbt sich auf die Stelle für den stellvertretenden Leiter der neuen Aus- und Fortbildungsstätte. Schon ein Jahr später steigt er zu ihrem Leiter auf und ist es bis 2019.

Die Ausbildungsstätten verstehen sich dabei nicht nur als reine Lehreinrichtungen: Das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern ist durch engen Austausch geprägt, bei Sorgen und Nöten können die Lernenden immer zu den Dozenten kommen. Als eine alleinerziehende Mutter als Schülerin nach Neustadt kommt, kümmern sich während der Unterrichtszeit kurzerhand Otto und seine Frau um den Nachwuchs. Wer nicht schlafen kann, dem schenkt der Nachtdienst ein offenes Ohr. Und auch der Spaß kommt in den Ausbildungsstätten nicht zu kurz: „Bei Abschlussfeiern gibt es immer eine große Party. Das ist wirklich schön. Dann wird Karaoke gesungen. Oder viele Dozenten gehen auch mit in die Bierstube,“ schwärmt Otto. So nannte er sich auch weniger „Schulleiter“, sondern mit einigem Stolz „Herbergsvater“.

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